Was, wenn mich nichts anderes interessiert?

Die Podcast-Episode

An dem Punkt war ich auch bereits. An dem Punkt, an dem ich dachte, dass mich neben Games in meinem Leben nichts anderes mehr interessieren könnte. Ich hatte damit auch meinen Frieden gemacht. Für eine gewisse Zeit fühlte es sich so an, als könnten mir Spiele all das geben, was ich mir von meinem Leben erwarte. Wie falsch ich doch liegen sollte.

Das kalte Erwachen

Denn richten wir die Kamera einmal auf Dich: Wann kam Dir die Idee, dass da draußen doch noch mehr sein muss, das Dein Interesse wecken könnte?

Vielleicht der Tag, an dem Du bald verzweifelt bist, weil Du wieder mal einen Korb bekommen hast? Weil Du wieder nur der Nice-Guy warst?

Oder war es vielleicht der Moment als Du gemerkt hast, dass in Deinem Umfeld überall geheiratet wird, Kinder auf die Welt kommen und Urlaube gemeinsam verlebt werden?

Vielleicht war es ja auch dieses eine Kommentar, dass Dich vor allen anderen wie der einsame Verlierer-Nerd dastehen lässt. Dieser ewige Single, der mit seinem merkwürdigen Verhalten eher bemitleidet als bewundert wird.
Ich sage nur: “Veganer Minimalist” Hauptsache schön extrem, damit keiner auf die Idee kommt, Dir Fragen zu Deinem emotionalen Innenleben zu stellen.

Der Moment des Abblitzens: Wenn sie fragt, was Du sonst so in Deiner Freizeit machst und Dir außer Gaming nichts einfällt – und wieder ein Korb. Stehen Frauen halt nicht drauf. Das weißt Du natürlich auch und deswegen fühlst Du Dich jetzt wieder beschämt.

Neue Interessen bilden

…sich entweder von selbst oder Du suchst sie Dir aktiv. In vielen Fällen erledigt Dein Alter den notwendigen Akt der Neuorientierung von ganz allein. Etwa alle sieben Jahre ändert der Mensch seine grundlegende Weltanschauung und sein gesamtes Interessensbild neu.

7 Jahre – wir tun das erste Mal bewusst etwas aus altruistischen Zügen

14 Jahre – wir finden das andere Geschlecht das erste Mal anziehend und Körper und Geist verändern sich grundlegend.

21 Jahre – wir entwickeln den ersten ernstzunehmenden Gedanken an die Gründung einer Familie und nehmen das Leben das erste Mal in seiner Endlichkeit wahr.

~30 Jahre – Grundlegende Weichen des familiären Zusammenlebens und die aktive Gestaltung und Absicherung des sozialen Umfeldes werden gestellt.

Wie Du siehst sind es zuletzt schon neun Jahre und ab 30 ändern wir uns nochmal alle zehn Jahre vollständig. “Mid-Life-Crisis” beim Mann und später die “Wechseljahre” bei der Frau sind die Folge.

Jetzt frage ich Dich

Hast Du Dein halbes Leben lang Zeit, Dich auf Deine innere Uhr zu verlassen, dass Du irgendwann einfach so aus Deiner Gaming Disorder herauswächst?

Hast Du Lust, mit Mitte 30 plötzlich dazustehen, wichtige Skills zum Finden eines Partners, zum Führen einer Beziehung und zum Gründen einer Familie gar nicht erst gelernt zu haben und das Gefühl zu haben, jetzt erst anfangen zu können zu leben?

Irgendwie nicht oder? Das kann es doch nicht sein. Deine zwanziger Jahre sind das maßgebliche Fundament für ein glückliches Leben. Wenn Du das verbockst, dann werden die 30er um so schwerer und Du wirst einige wichtige Fähigkeiten wohl nie mehr lernen. Doch nicht nur geistig gerätst Du ins Hintertreffen.

Körperlich wie geistig baust Du ab spätestens 25 Jahren wieder ab und mit 35 gehörst Du zum alten Eisen. Punkt. Was Du Dir bis dann nicht aufgebaut hast, wird umso schwerer wieder aufzubauen sein. Als Ex-Gaming-Disordered Physiotherapeut in meinen End-30ern kann ich Dir ein Lied davon singen. Kein schöner Ausgangspunkt.

Sei proaktiv

Suche Dir aktiv Interessen/ Alternativen, die Du schon immer mal ausprobieren wolltest. Denen Du schon immer mal nachgehen wolltest und setze sie für mindestens 90 Tage an die Stelle des Gamings. Was hast Du zu verlieren? Nichts. Doch Du hast alles zu gewinnen!

Proaktiv sein bedeutet, Dein Leben selbst in die Hand zu nehmen und selbst zu entscheiden, was gut für Dich ist und was nicht. Proaktiv sein macht Dich unmittelbar glücklicher als der Griff zu Controller, Maus und Tastatur.

Proaktiv sein schafft den Prozess zu mehr Eigenverantwortung. Und was das angeht, haben wir ja bereits darüber gesprochen, was “Das Ding mit der Eigenverantwortung” ist.

Wenn Du also noch ein Leben voller Jahre zu verballern hast, dann mach so weiter. Ansonsten nutze Deine Zeit sinnvoll und bring Dich weider auf Kurs!