Torschlusspanik

Angst ist der Grund für den folgenden Beitrag. Denn auch wenn ich in vorangegangenen Artikeln davon schrieb, dass ich mich auf meine kleine Tochter freue, dann schwingt da doch auch Angst mit und von der möchte ich hier heute erzählen.

Es begann vor etwa zwei bis drei Wochen. Bis dahin war im Grunde alles geregelt. Ich wusste, meine Tochter würde Ende September zur Welt kommen und ich freute mich und freue mich noch immer riesig darauf. Ich meditierte, begann wieder Sport zu treiben, meine Ernährung wieder in den Griff zu bekommen und ruhte mehr oder weniger in mir.

Dann passierte jedoch etwas, das ich erst gar nicht deuten konnte. Ich vernachlässigte die eben genannten Dinge und begann mich wieder mit einem Thema auseinanderzusetzen, das für mich in den vergangenen sieben Jahren so gar keine Rolle mehr „gespielt“ hatte. Computerspiele.
Zunächst war es nur ein flüchtiges Interesse an aktuellen Ereignissen aus diesem Bereich. Dann aber wuchs dieses flüchtige Interesse zu etwas Handfesterem heran und ehe ich mich versah, saß ich wieder vor der Mattscheibe und spielte wieder.

Wissend, dass ich immerhin über zwanzig Jahre Sucht und sieben Jahre Abstinenz hinter mir hatte, schaltete ich am vierten Abend in Folge die Kiste aus und sammelte mich kurz. Nach nur vier Tagen wurde mir plötzlich bewusst, dass hier etwas nicht stimmte. Ich vernachlässigte meine bisherigen Interessen und ging den Dingen aus dem Weg, die wirklich wichtig waren sie zu erledigen.

Ich suchte also das Gespräch mit meiner Frau und nach einem längeren Gespräch reflektierten wird den Grund für mein Verhalten.
Ich hatte Angst. Angst davor, als Vater ausreichend zu sein. Angst davor, meine und unsere bisherigen Freiheiten zu verlieren. Hobbies, Interessen und Freizeit aufgeben zu müssen, weil da jetzt ein neues Leben heranwächst, das ab dem Tag seiner Geburt unserer vollen Aufmerksamkeit bedarf. Ich hatte Angst vor der Verantwortung, die ich meiner Tochter, meiner Frau, unserer Familie jetzt jederzeit entgegenbringen muss.

Wir fanden heraus, dass ich als Mann, der ich im Grunde fast immer allein und auf mich gestellt war, jetzt Angst davor hatte, diese Autonomie aufzugeben. Dass ich genau deswegen wieder altbekannte Verhaltensmuster und Interessen hervorholte, weil es genau die waren, die mir damals bei ähnlichen Herausforderungen vermeintlichen Halt und Ablenkung gegeben haben.

Die Konsequenz aus diesen Erkenntnissen: Die Kiste wurde wieder im Keller verstaut und wir überlegen uns einen verantwortungsvollen Umgang damit. Soll heißen, wenn alle Aufgaben erledigt sind und all den anderen Interessen nachgekommen wird, dann spricht auch nichts dagegen den Computerspielen einen kleinen Teil des wöchentlichen Alltages zu widmen. Wie genau das aussehen soll werde ich sicher in einem weiteren Artikel festhalten.
Denn ich denke es ist für Menschen mit gleicher oder gar Sucht-Problematik hilfreich zu wissen, wie das in den Griff zu bekommen ist.

An dieser Stelle ist es mir nur wichtig festzuhalten, dass es immer ein deutliches Zeichen ist, wenn etwas in Dein Leben zurückkehrt, dass Du vor langer Zeit abgeschrieben hattest. Besonders dann, wenn es eine solch langjähriger und emotional integraler Bestandteil Deines Lebens war.

Gleichzeit möchte ich aber auch den Tipp geben: Sprich mit jemandem, vorzugsweise mit einem Freund oder Deiner Partnerin/ Deinem Partner, über das, was Dir an Dir selbst auffällt. Dadurch kannst Du ganz wunderbar feststellen, ob Deine Selbstwahrnehmung Dich trügt oder sie auch von anderen bestätigt wird.