Lese-Log: The Hobbit, J.R.R Tolkien

Alle Heilung beginnt mit einem ersten Schritt. In meinem Falle mit meiner nach fast 30 Jahren verloren geglaubten und nun wiederentdeckten Faszination für das Lesen. Nach all diesen Jahren der Computerspielsucht, was könnte da passender sein als die Reise eines Hobbits, der auszieht und dem Alltag entflieht, um ein Abenteuer zu erleben?

Ich kann nicht gerade behaupten, dass Tolkien’s Werk “The Hobbit” eine alte Jugendliebe wäre. Viel zuviel ging in den dunklen Jahren meiner Sucht verloren und noch mehr wurde verpasst. Zu Tolkiens Werken kam ich erst durch die Verfilmung des Herrn der Ringe. Eine Filmreihe, die mich damals tief bewegt hatte und an deren Ende ich vor Traurigkeit heulte wie ein Baby. Männertränen eben. Ich las damals den Hobbit in deutscher Übersetzung und so schnell wie ich davon begeistert war, so schnell ging diese Begeisterung wieder in Spielen unter. Leider. Doch der Ring rief nach seinem Gebieter und so traf er auf das wohl ungewöhnlichste Geschöpf, dass man sich vorstellen konnte: einen Hobbit auf mich.

Wissend um die Diskussionen rund um die beiden Übersetzungen von Margaret Carroux und Wolfgang Krege entschied ich mich kurzerhand dem Hobbit im englischen Original erneut zum Berg zu folgen. Wie unwissend ich doch war, welchen Abenteuers ich mich dabei stellen sollte. Dies ist also mein Lese-Log des Buches “The Hobbit – Or there and back again” von J.R.R. Tolkien, illustriert von Alan Lee.

Chapter 1 – An unexpected party

Zugegeben, die schönen Illustrationen eines Alan Lee und Thror’s Kartenmaterial kommen auf meinem neuen Tolino Vision 5 einfach nicht rüber. Doch wer weiß, wenn in einigen Jahren die Frabtechnlogie soweit ist, dann komme ich irgendwann auch in den Genuss. Doch am Ende geht es eben doch nur um die Geschichte an sich. Ich hätte nicht gedacht, dass mein Englisch so eingerostet ist. Inhaltlich fällt mir das Lesen nichtmal schwer. Ich habe lediglich Schwierigkeiten, mich in die englische Lektüre in Sachen Satzbau einzulesen. Einige Seiten später, als die Zwerge ersteinmal in Bilbo’s Heim angekommen sind, fließt die Geschichte nur so dahin und ich bin tief im Hobbitbau verschwunden. Trotzdessen ich mich erst noch an die englischen Begriffe und Namen gewöhnen muss, bin ich doch zu sehr an das Deutsche gewöhnt. Und die Deutsche Sprache macht dann rethorisch und in Sachen Klangfarbe doch etwas her. Aber wenn ich mir vorstelle ein Sir Patrick Stewart (Star Trek: The Next Generation) dieses Buch läse – naja, ich stells mir einfach vor uns merke – ist in meiner Vorstellung ebenso ehrwürdig und erhaben.

Eine Stunde später machen sich die Folgeschäden meiner jahrzehntelangen Computerspielsucht bemerkbar. Meine Konzentrationsfähigkeit hat massiv gelitten. Während meine Partnerin Stunden am Stück liest, ohne auch nur ein Mal aufzusehen, brauche ich jetzt eine Pause. Ich merke jedoch wie tief ich in diese Welt abtauchen durfte, schalte ich als nächstes den Soundtrack des Herrn der Ringe ein, setze die Kopfhörer auf und lasse mich noch ein wenig in Mittelerde verweilen. Einen Vorteil des Lesens des englischen Originals bemerke ich jedoch auch sofort: Meiner erhöhten Aufmerksamkeit zum Dank bleibt mir dieses erste Kapitel bereits deutlich in Erinnerung. Ob Lesen heilen kann? Ich denke ich werde es in den folgenden Kapiteln herausfinden.

Chapter 2 – Roast Mutton

Was ein herrlich spannender Abschnitt dieses Buches. Wenngleich ch darauf vorbereitet war, wie es mit den drei Trollen ausgehen würde, so war mir doch nicht mehr im Detail bewusst, was genau auf dem Weg dorthin geschehen würde. Dieses Kapitel ist nur so an mir vorübergezogen und wiedereinmal zeigt sich, was die Filmtrilogie gegenüber dem Buch so benachteiligt – und ich meine nicht den Kasperletheater-Bildstil. Es ist Tolkiens Hang zum fast schon Realistischen, der den Unterschied macht. Dieses Buch schafft es, die Szene mit den drei Trollen so wunderbar glaubhaft herüberzubringen, dass der Film dagegen schlicht völlig überzogen und unnötig actiongeladen wirken lässt. Ich vermag mich nicht mehr an den Herrn der Ringe im Detail zu erinnern, doch dieses Buch hier ist deutlich weniger actionlastig und der Unterschied zu den Filmen ist schon ziemlich dramatisch. Oftmals habe ich das Gefühl, dass die Filmtrilogie des Hobbits einer ganz anderen Dramaturgie folgen muss, um überhaupt sehenswert zu sein. Denn das Buch schafft es, mich als Leser mit meiner Fantasie in die Geschichte zu versetzen und den Inhalt zwischen den Zeilen mit meiner eigenen Fantasie und Vorstellung zu füllen. In jedem Fall ein sehr einprägsamer Abschnitt.

Chapter 3 – A Short Rest

Kurz ist hier das Wort der Stunde. Denn obwohl sich die Gruppe von Zwergen, einem Hobbit und dem Zauberer hier ganze vierzehn Tage aufhält kommt die Beschreibung dessen, was hier geschieht für mich etwas zu kurz. Noch dazu, weil es gerade hier ist, an dem ich as Leser sehr viele Informationen rund um die ergatterten Schwerter und die geheime Inschrift der Karte erfahre. Allesamt Informationen, die bis in den Herrn der Ringe hinein von Bedeutung sind. Hier hätte ich mir gewünscht, dass der Aufenthalt in Rivendell (Bruchtal) noch etwas ausgeschmückt wird. Als Kinderbuch gedacht, kann ich jedoch nachvollziehen warum Tolkien hier diese kürzere Herangehensweise gewählt hat. Allerdings: Ein willkommener Wechsel von Abenteuer zu Ruhephase. Tolkien schafft es, mich dahingehend mit Beschreibungen der Elben und der Landhscft abzuholen und mich auf diese vierzehn Tage Aufenthalt in Bruchtal vorzubereiten.

Auch hier, wie schon zuvor, hält es mich maximal für die Länge des Kapitels im Buch, bevor mein antrainiertes Aufmerksamkeitsdefizit zuschlägt und ich mich um etwas anderes kümemrn muss. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass sich das sehr bald bessern wird. Immerhin habe ich so ziemlich alle möglichen digitalen Ablenkungen aus meinem Alltag eliminiert.

Chapter 4 – Over Hill and Under Hill

Kopfkino ist dann doch zuweilen das schönste Kino. Gefangen genommen von den Goblins (im Film einfach Orks genannt) erwehren sich die Zwerge unter Tage ihres Lebens und Bilbo trifft auf ein Geschöpf, das im Herrn der Ringe eine tragende Rolle spielt. Was mir hier sofort auffällt ist der erzählerische Unterschied der Atmosphäre zwischen Buch und Film. Beim Lesen des Buches wird sofort klar, dass sämtliche Szenen im Film deutlich überstrapaziert sind in Sachen Action und hätten es die Filmregisseure genau genommen, dann würden wir in diesem Teil des Filmes deutlich mehr Dunkelheit und weniger von den Goblins sehen. Der gesamte Abschnitt spielt nämlich in fast vollständiger Dunkelheit und ich zumindest stelle mir diesen Teil, aufgrund der Beschreibungen im Buch, als ein finsteres Verlies ohne jegliches Licht vor. Lediglich Gandalf’s leuchtender Stab, die schwach bläulich schimmernden Schwerter der Elben oder eben die Augen jenes tragenden Wesens geben einen Lichtschein wieder. Insgesamt wird die wichtige Rolle von Licht und Dunkelheit in diesem Buch viel deutlicher wahrgenommen als in den Filmen. Hier im Buch spüre ich den Unterschied wirklich und besonders dieses Kapitel lässt mich mit Bilbo mitfühlen, wenn er hilflos in der Dunkelheit umherirrt.

Chapter 5 – Riddles in the Dark

Eines der wichtigsten Kapitel für den Hobbit wie auch den Herrn der Ringe. Hier trifft Bilbo auf das vom Ring der Macht gepeinigte Wesen Gollum. Die Rätsel haben in englischer Sprache nochmal einen ganz anderen Charme und die Tatsache, dass außer Bilbo’s leuchtendem Schwert und Gollums leuchtenden Augen keinerlei Licht in diesem Kapitel existiert, lässt mich gegenüber den Filmen sehr enttäuscht zurück. Wiedereinmal siegt die Buchvorlage für mich. Aber sollte das überhaupt anders sein?

Chapter 6 – Out Of The Frying-Pan Into The Fire

Die Zwerge wie auch Bilbo befreien sich aus den Klauen der Goblins und Warge, werden von den Adlern gerettet und es folgt – wie so oft bei Tolkien – eine deutliche Beruhigung der Szenerie. Ich habe mich immer gefragt, warum diese Rettung durch die Adler so unfassbar schnell übergangen und die Adler damit im Grunde als besseres Transportmittel dargestellt wurden. Denn in diesem Abschnitt erfahren wir mehr über den Zusammenhang und das Verhältnis zwischen Gandalf und dem König der Adler. Dass dieses beiden miteinander kommunizieren können und zwischenzeitlich nich darüber sprechen, wie weit die adler sie nun tragen werden und warum nicht gleich zum einsamen Berg – das ist etwas, das hätte ich mir in den Filmen gerne gewünscht. Aber mit all diesen Wünschen hätte der Film wohl nochmal drei Filme mehr haben müssen. Trotzdem schade.

Chapter 7 – Queer Lodgings

Beorn, der Formwandler und mein allerliebster Satz im Englischen: “…Bilbo was feeling queer…”, was übersetzt soetwas heißt wie “Bilbo fühlte sich seltsam.”. Der ganzen “Queer-People-Bewegung” im Internet zum Dank las ich jedoch: “Bilbo fühlte sich schwul.” Okay und spätestens da waren zwei Dinge klar:

  1. Ich hing die vergangenen Jahre viel zuviel im Internet.
  1. Das konnte Tolkien so nicht gemeint haben.

Und natürlich meinte Tolkien das so nicht und ja, Asche auf mein Haupt, dass ich dabei verschmitzt lachen musste.
Ohne jedoch zuviel vorweg zu nehmen, aber die Buchvorlage ist dem Film um so viele Kilometer voraus und es wundert mich nicht, dass viele dieses wie auch das Folgewerk Tolkiens für unverfilmbar hielten. Denn hier werden Dinge beschrieben, die so zu der damaligen Zeit sicher einfach nur komisch gewirkt hätten, im Buch aber wunderbar hineinpassen. Alles in allem war der Aufenthalt der Abenteuertruppe bei Beorn auch irgendwie ein Aufenthalt für mich.

Spätestens an dieser Stelle fragte ich mich dann aber doch, wo Azog, der Schänder bliebt. Denn der war auch schon im vorangegangenen Kapitel nicht in Erscheinung getreten. Ob das noch geschehen wird oder ob er nur ein notwendiger Geschichtstreiber für die Filme war, daran kann ich mich nicht mehr erinnern. WIe an so vieles aus diesem Buch. Umso schöner, dass ich das jetzt im Grunde völlig neu erleben darf.

Und jetzt kommt der Teil, den ich mit Abstand am widerlichsten finde und der mir immer einen Schauer den Rücken hinunter jagt. Denn jetzt kommen SPINNEN!

Chapter 8 – Flies and Spiders