Du wirst nichts verpassen

Die Podcast-Episode

Gehen wir mal davon aus, dass Du das veranschlagte Minimum von 90 Tagen Gaming Detox durchziehst. Was dann? Hast Du dann die bahnbrechenden Entwicklungen der letzten drei Monate verpasst oder ist es am Ende doch alles nur halb so schlimm?

FOMO

“Fear of missing out.” nennen es die Amerikaner. Zu deutsch heißt das so viel wie “Die Angst, etwas zu verpassen.” Genau diese Angst wirst Du nämlich haben, wenn Du das Thema Gaming vorübergehend an den Nagel hängst. Egal ob nur 90 Tage oder für mehrere Jahre der Abstinenz, Du wirst diese Angst spüren.

Je nachdem wie stark und wie lange Du in das Thema Gaming bereits investiert bist, wird diese Angst stärker und entsprechend länger andauern. Wenn Du also nur wenige Monate Deiner Sucht erlegen bist, dann stehen die Chancen gut, dass Du binnen der 90 Tage erkannt hast, was Du anders machen musst, um es nicht wieder eskalieren zu lassen.

Bist Du jedoch bereits mehrere Jahre dabei, dann sieht die Sache schon ganz anders aus. Für jedes Jahr, dass Du dabei bist, darfst Du gerne nochmal drei Monate mit draufrechnen. Es verhält sich dabei im Grunde wie bei jedem anderen Entzug auch: Je nach Schwere der Sucht, brauchst Du nur den körperlichen Entzug durchmachen oder musst eben den Rest Deines Lebens von der Droge fernbleiben. Ob und wie lange es dann für Dich sein soll, das entscheidest Du ganz für Dich allein.

Du verpasst rein gar nichts

Ich kann Dir aus sieben Jahren der Abstinenz vom Thema Gaming sagen: Du verpasst rein gar nichts. Als ich damals den harten Schnitt mit dem Thema Gaming vollzog, da hatte ich das Gefühl ich würde mein gesamtes Leben wegwerfen. So sehr war ich in diese Sache finanziell, zeitlich und emotional investiert. Ich hatte kaum andere Interessen, keine Freunde und auch keine Partnerin geschweige denn eine Familie, die mich dahingehend hätte auffangen können. Die Angst, jetzt etwas zu verpassen, war riesig.

Am schwersten fiel es mir, meine Accounts bei EVE-Online zu löschen. Immerhin hatte ich Jahre meiner Lebenszeit in dieses Spiel investiert. Ich dachte, wenn ich jetzt aufhöre, dann ist alles vergebens gewesen. Dann war alles umsonst.

Darüber hinaus gab es doch noch so viele Spiele, die es zu erleben galt. Was würde aus all den Titeln werden, die mir da noch so vorschwebten? Die würde ich alle verpassen und die Hypewellen nicht mehr miterleben.

Heute, fast neun Jahre später, kann ich Dir sagen: Ich habe rein gar nichts verpasst. Die Spiele, die mich damals interessierten interessieren mich jetzt entweder nicht mehr oder sie existieren immernoch und wenn ich möchte, kann ich sie nachholen. Spiele von vor zwanzig Jahren – immernoch vorhanden. Ich habe definitiv nichts verpasst. Mehr noch…

…ich habe viel mehr gewonnen

Denn angesichts der langen Zeit, die seither verstrichen ist, kann ich die Spieletitel, die damals so gehyped waren, mit einigem Abstand betrachten. Ich kann sehr viel bewusster entscheiden, ob dieses Spiel dem Hype gerecht wurde oder ob es nur wieder einer dieser Titel gewesen wäre, der nur der Suchtbefriedigung diente. Ich habe gelernt Nein zu sagen und meine Lebensqualität aus den Bereichen neben den Computerspielen zu ziehen.

Nebenbei habe ich mein Leben wieder auf die Reihe bekommen, habe mich wieder geordnet, mir Freunde, Partnerin und Familie zurück in mein Leben geholt und mich zu einer echten Persönlichkeit entwickelt. Ich bin reifer geworden, habe meine Süchte und meine Depression vollständig bekämpft. Ich bin heute deutlich besser dran als noch vor knapp neun Jahren.

Du verpasst also rein gar nichts in Sachen Gaming. Selbst wenn Du, wie ich, sieben Jahre davon getrennt bleibst. Im Gegenteil, Du verpasst für jeden Moment im Gaming soviel in allen anderen Bereichen Deines Lebens, das es wert ist, erfahren und erlebt zu werden.

Mach nicht den gleichen Fehler wie ich und lass Dir gesagt sein: Du verpasst rein gar nichts, wenn Du Computerspielen den Laufpass gibst. Aber Du verpasst jede Menge, wenn Du Spielen den Vorrang vor Deinem eigenen Leben gibst.