Süchtig nach Pornografie?

Pornografie. Eines dieser Themen, das nach wie vor ein rotes Tuch für uns zu sein scheint. Obwohl das doch schon seit Menschengedenken zum Dasein als Mensch gehört. Trotzdem fühlt sich jeder noch immer peinlich berührt oder kichert wie ein kleines Kind, wenn er Begriffe wie Ficken oder Vögeln hört.

Hier bei mir gibt’s das nicht. Hier werden die Dinge benannt, um zu verstehen, um was es dabei geht. Und das Verstehen ist ungemein wichtig. Denn wusstest Du, dass statistisch gesehen, je nachdem welcher Statistik man glauben schenken mag, im „schlimmsten“ Fall jeder zweite Mann regelmäßig, meist täglich pornografische Inhalte im Internet genießt? Und die Frauen stehen dem in kaum etwas nach. Und dennoch tut jeder so als habe er keine Ahnung was Pornhub oder Youporn seien.

Doch reden wir Mal von dem, was uns überhaupt erst dazu bringt, solche Portale zu nutzen. Unser Trieb. Das Verlangen unterhalb der Gürtellinie. Bei dem einen deutlich unterrepräsentiert und bei dem wieder anderem kaum zu bändigen. Wer sich seinen Trieb jedoch, so wie ich damals, krankhaft antrainiert hat, der läuft Gefahr nur noch mit „dem Kopf“ zu denken. Und ich spreche an dieser Stelle eben vom männlichen Geschlecht, weil mir nur dieser Teil vertraut ist.

Ich war also fast 26 Jahre lang schwerstabhängig von Pornografie. Anfangs in Heftchen und mit ERfindung des Internets gab es keine Grenzen mehr für mich. Krankhafte Masturbation bis zur totalen Erschöpfung oder so lange bis Er wund war. Antrainiertes Verlangen Trieb mich ein ums andere Mal hintereinander an, in den Ring zu steigen. Zu Spitzenzeiten bis zu 17 Mal am Wochenende. Über Wochen und Monate hinweg.

Dann traf ich vor drei Jahren meine heutige Frau, offenbarte mich ihr und änderte mit ihrer Hilfe von heute auf Morgen mein Verhalten. Nicht ohne Rückschläge wie sich zeigen sollte. Bis damals war ich meinem Verlangen hilflos ausgeliefert. Das Verlangen kam, überwältigte mich und ich konnte nichts dagegen tun. So glaubte ich das zumindest.

Heute habe ich, Dank meiner Frau, gelernt damit umzugehen. Auch heute noch, drei Jahre nach meiner Sucht, überkommt mich noch immer häufiger als für mich als hochsensiblen Menschen gesund ist das Verlangen. Würde ich dem nachgeben, zerstörte es mich emotional und psychisch binnen kürzester Zeit. Doch dazu an anderer Stelle mehr.

Statt meinem Verlangen heute jedoch nachzugeben, habe ich gelernt, dass dieses Verlangen zwar einfach so kommen kann, es aber auch genauso wieder verschwindet. Die Erkenntnis, dass ich selbst entscheiden kann, ob ich dem Verlangen nachgebe oder nicht, hat mich letzten Endes davon befreit und mittlerweile empfinde ich es als eine persönliche Genugtuung, immer neue Rekorde aufzustellen und lieber darauf zu warten, den richtigen Umgang damit pflegen zu können als sofort nachzugeben.

Dabei ist das jedoch, zB. abhängig vom Stress im Alltag, bei weitem nicht so einfach wie es sich anhört. Es gehört schon einiges dazu, mich bewusst gegen den Trieb zu entscheiden, den ich mir über die vielen Jahrzehnte antrainiert habe und der trotz neuer Routinen, Ablenkungen, Meditation und anderer Hilfestellungen zuweilen immer noch unbändig zu sein scheint. Dabei habe ich niemals der NoFap-Bewegung angehört. Ich hatte einfach das wahnsinnige Glück, eine so tolle Frau an meiner Seite zu haben, die mir wieder zu einem für mich verträglichen Maß verholfen und mich im Umgang mit meinem Trieb wieder bewusster hat werden lassen.

Endlose Gespräche, das ausprobieren neuer Ablenkungen, die bewusste Unterbrechung erkannter Verhaltensmuster, harter Medienentzug sowie auch einfach der Sex mit (m)einer echten Frau, statt mit den fünf Mädels und dem Monitor, waren der Schlüssel zum Erfolg.

Heute kann ich das aufkommende Verlangen viel früher erkennen, bewusster wahrnehmen, genießen und auch genauso bewusst und entspannt wieder loslassen wie es gekommen ist. Wie das geht und warum ich diesen Weg wählte, dazu zu einem anderen Beitrag mehr.

Hier möchte ich Dir jetzt nur mitgeben: Es ist ohne weiteres möglich, seinen Pornokonsum und den damit einhergehenden schädigenden und selbstzerstörerischen Umgang mit der eigenen Sexualität in den Griff zu bekommen. Für jeden. Auch für Dich.